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Montag, 21. Oktober 2013

[sport ist für die katz']

Das sich Frau Schmitz bei der frühmorgendlichen Leibesertüchtigung leise anschleicht und mir bei jeder Liegestütze zaghaft die Nase ableckt (vermutlich in der Hoffnung, ich könnte ein Leckerchen in einem der beiden Nasenflügel versteckt haben), wärmt zwar das Herz, stört aber die Körperspannung und somit die korrekte Ausführung der Übung durch unkontrollierbare Kicherattacken meinerseits enorm.

Ab morgen muss Frau Schmitz dann halt mitsporteln. Nützt ja nix.


Freitag, 11. Oktober 2013

[hair!]

Auch wenn mich meine getigerte Mitbewohnerin jeden Tags aufs Neue mit ihrer schrulligen Fröhlichkeit zum Lachen bringt und keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, sie bei uns einziehen zu lassen, so gibt es doch wie in jeder Beziehung ein paar Aspekte unseres Zusammenlebens, auf die ich durchaus verzichten könnte.

So ist zum Beispiel ein Katzenklo in Sachen Geruch und Handling nicht gerade ein steter Quell grenzenloser Freude, und auch die tägliche Raubtierfütterung mit totem Tier in Gelee ist für mich als Pflanzenfresser nur bedingt erquicklich. Was mich aber wirklich beinahe in den Wahnsinn treibt, ist diese unerschöpfliche Flut an Katzenhaaren, die seit dem Einzug von Frau Schmitz unseren Haushalt garniert. Das die hartnäckigen Flusen konsequent an unserer Kleidung als auch an der unserer Besucher kleben, ist ja dank Kleberolle noch recht leicht zu ertragen und von Schränken und Tischplatten lassen sich die Schmitzfussel noch relativ leicht entfernen - aber mittlerweile macht sich der Katzenhaarteppich unaufhaltsam auf Büropausenstullen, dem Inneren meines Autos und sogar auf dem Boden frischgespülter (!) Kaffeetassen breit. Ganz egal wo man hingreift oder -guckt, man wird schon von Schmitzhaaren begrüsst. "Hämisch begrüsst", wie ich finde.

Aber nun ja. Ich bin Ultraläuferin. Ich mag Herausforderungen. Und heute habe ich der Katzenhaar-Invasion den Kampf angesagt. Ich werde den Feudel nicht eher beiseite legen, bis nicht auch der allerletzte schmitz'sche Zottel aus seinem Versteck gelockt und in Putzwasser ertränkt ist. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Und so.

Qapla! *)

In den kommenden Stunden wische, wedele ich und schrubbe ich jeden Winkel unseres Heims, krieche bäuchlings in jede kleinste Ecke und lasse Mr. Dyson beinahe durchglühen. Ich jage Wollmäuse im Greisenalter aus ihren Bauten und wienere gnadenlos alles in Schutt und Asche, was nicht niet- und nagelfest ist. No rest for the wicked ones.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich schweissgebadet, putzwasserverschrumpelt und abgrundtief erschöpft - aber das Haus ist katzenhaarfrei. Heureka. Zutiefst befriedigt stehe ich am Fuße der Treppe und bewundere mich und mein Putzwerk, als sich Frau Schmitz mit leisem Tapsen nähert, guckt, gähnt und mit zartem Maunzen behende die Stufen hochsaust. Nachdem sie auf dem Treppenabsatz verschwunden, sehe ich im Gegenlicht ein zartes Büschelchen feinster Premiumkatzenunterwolle, das meinem entsetzten Auge unschuldig im Kippfenster-Windhauch entgegenschwebt.

Nein. 
Ich. 
Werde. 
Wahnsinnig.

So langsam beginne ich zu glauben, dass sich in jeder geschlossenen Psychatrie ein separater Raum befindet, in dem jene bedauernswerten Menschen landen, die "heute aber mal ganz bestimmt alle Katzenhaare aus dem Haus entfernen" wollten.

Und ich könnte schwören, mein getigertes Haarmonster sitzt auf dem Treppenansatz und lacht sich ins Pfötchen.




*) Erläuterung für Nicht-Trekkies: "Qapla" ist ein klingonischer Kampfgruß und bedeutet soviel wie "Erfolg!"...oder "Lass' krachen, Alter!"


Dienstag, 8. Oktober 2013

[erwischt!]

"Frau Schmitz, Du darfst nicht auf dem Herd rumlaufen, ist das klar?"
"Miau!"
"Auf gar keinen Fall, hast du das verstanden?"
"Miau!"


Oh, aber...na gut.
Mein Fehler.
Ich hab' den Zusatz "Und das gilt auch wenn ich nicht hingucke" vergessen.

Sonntag, 6. Oktober 2013

[das erste gebot]

"Du sollst keine anderen Götter neben mir haben."


Frau Schmitz, meine getigerte Mitbewohnerin, ist im allgemeinen von eher selbstständigem Naturell und keine dieser dauerschnurrenden Bilderbuch-Miezekatzen, die einem permanent am Wickel kleben und nach Streicheleinheiten verlangen. Sie lässt sich zwar mit maximalgroßem Vergnügen unter ihrem weichen Kinn kraulen und leckt mir als Dankeschön dafür mit Inbrunst die Hände ab, aber ansonsten treibt sie lieber Kontaktlinsen-Dosen in halsbrecherischer Hetzjagd durchs Haus, steckt ihre plüschige Neugiernase in Kochvorbereitungen und überwacht meine Schreibarbeiten am PC im Arbeitszimmer statt sich anschmiegsam und kuschelwillig unter irgendwelche Extremitäten zu quetschen.

Als ich jedoch von meinem Fototermin von der Katzenhilfe Neuwied zurückkehre, bei dem ich geschlagene zwei Stunden unzählige Samtpfoten gestreichelt, gekrault und abgelichtet habe, schiesst mir Frau Schmitz umgehend wie ein Katapult auf den Schoss, kugelt sich auf dem Rücken auf meinen Beinen hin und her, reibt ihr Köpfchen an jedem erreichbaren Zipfel meiner Bekleidung und verschluckt sich beinahe am eigenen Schnurren.

Zwar würde sich mein liebendes Herz nur allzu gerne der Vorstellung hingeben, diese akute Schmitzschmuseritis sei ein Ausdruck von unendlicher Zuneigung und überschäumender Wiedersehensfreude, aber realistisch betrachtet bedeutet es wohl eher sowas wie "Unerhört! Mein blondes Dosenaufmachdings riecht nach anderen Katzen! Sofort abrubbeln. Und mit 'nem ordentlichem Schuss "Eau de Schmitz" überpinseln. Das blonde Dings ist mir, mir, mir!"

Sobald ich bis in die hintersten Kniekehlen und Bauchfalten wieder als "Meins!" gekennzeichnet bin, springt Frau Schmitz mit einem befriedigten Gurren von meinem Schoss und stolziert in die Küche, um dort umgehend mit Nachdruck nach Abendbrot zu verlangen. 

Aber ja doch, sofort.
Ich eile.


[die schuldfrage]

Samstagmorgen, 08.00 Uhr.
Es regnet nicht nur Bindfäden sondern, um bei der Metapher zu bleiben, unterarmdicke Hanfkordeln. Dennoch bekundet Frau Schmitz durch eindringliches Maunzen und vehementem Hypnotisieren der Haustür, dass sie jetzt nun aber bitteschön sofort einen Reviercheck in den lokalen Vorgärten machen möchte. So-fort.

"Aber es schüttet wie aus Eimern. Du wirst in ein paar Sekunden pitschnass!" versuche ich einen Appell an die Miezen-Vernunft.
Keine Chance. 

"Miau!"
"Na gut, dann raus mit dir. Aber sag' nicht ich hätte dich nicht gewarnt."


Der getigerte Fellrücken verschwindet im Regen und ich verschwinde zurück ins warme trockene Wohnzimmer, um am Bollerofen meinen Morgenkaffee zu geniessen. Keine 2 Minuten später höre ich ein hektisches Tappen im Flur, eine pudelnasse Miezekatze entert die gute Stube und hinterlässt zahlreiche Pfötchenpfützen auf den Dielen.

"Miau!" 

Den schmitz'schen Gesichtsausdruck kann man nur als "extrem angepisst" bezeichnen und der zickig-anklagende Tonfall des lautstarken Maunzens gibt mir deutlich zu verstehen: "Jetzt guck' mich doch mal an! Ich bin KLATSCHNASS und DU bist schuld!"

Na klar. Wer auch sonst. Ist ja nicht so, dass ich es nicht vorher...aber egal. Ich bin schuld. 

In der nächsten Stunde straft mich Frau Schmitz mit Missachtung und beleidigter Arroganz. Erst als das Fell bis zum alleruntersten Härchen getrocknet ist, ich das empörte Gemüt mit diversen Leckerchen beruhigt und anhand einer Schautafel über die Entstehung von Regenwolken anschaulich erläutert habe, dass ich nun aber wirklich komplett unschuldig an der unangenehmen Wetterlage bin, lässt sich die Tigerdame huldvoll herab, sich von mir unter dem Kinn kraulen zu lassen und knabbert an meinen Zehen. Ein Katzenherz kann eben auch die schlimmsten Verfehlungen verzeihen.

Puh. Das war knapp.