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Freitag, 21. Februar 2014

[aller süßen dinge sind drei]

Hätte man mir vor einem Jahr gesagt, dass zum heutigen Tage nicht nur eine, sondern gleich drei Miezekatzen unser Haus als ihren festen Wohnsitz angeben, hätte ich maximalamüsiert und ungläubig den Kopf geschüttelt. Aber zum einen kommt es im Leben halt oft anders als man denkt und zum anderen ist der Kopf bekanntermassen rund, damit das Denken die Richtung ändern kann und ich mich nicht um mein "Keine-Katze-niemals-nicht!"-Geschwätz von gestern kümmern muss.

Als Frau Schmitz hier Einzug gehalten hat, galt sie als "unverträglich mit Artgenossen", was uns Zweibeinern sehr recht war - wollten wir ja ohnehin nur einer einzigen Samtpfote Obdach gewähren. Nachdem sich der Schmitzster aber mit diversen vierbeinigen Feriengästen sehr entspannt und beinahe gastfreundlich präsentiert hat und mein eigenes Herz mittlerweile voll und ganz im Vierpfötchentakt schlägt, kam es dann wie es vermutlich kommen musste - da war da dieser wunderhübsche Tigerkater, der schon ein ganzes Jahr in der Katzenhilfe wohnte und sich Menschen gegenüber bislang eher ängstlich bis uninteressiert gezeigt hat. Bei meinen Besuchen in seiner Pflegestelle haben wir uns nach und nach angefreundet und eines schönen kalten Wintertages liess sich Herr Tiger nicht nur von mir streicheln und das Bäuchlein kraulen, sondern leckte mir in einem Abwasch gleich noch die Nase ab. Damit war quasi der Mietvertrag unterschrieben und Herr Tiger durfte bei mir Einzug halten. Damit sich der gesellige Katzenmann mit Frau Schmitz als einziger Miezengesellschaft nicht einsam fühlte, durfte er eine kleine Freundin mitbringen - ein wunderhübsches scheues Wildlingsmädchen, das ebenfalls schon ein Jahr im Katzenhilfe-"Miezhaus" wohnte und bislang weder Menschenkontakt noch das Leben in einem Haushalt kennt. In Sachen "Herausforderung als Katzenanfänger" werden also keine halben Sachen gemacht, wir schöpfen aus den Vollen...Katzenzusammenführung und Wildlingszähmen in einem Rutsch.

Und so geschah es, dass vor knapp 1,5 Wochen 2 Transportkörbe mit zuckersüßem Inhalt in mein Haus getragen wurden - aus einem Korb streckte mir Herr Tiger schon seine kuschelweichen Pfötchen entgegen, aus dem anderen Korb schaute mich ein ängstliches bildschönes Augenpaar misstrauisch an.

Herr Tiger schubst die Box schon von innen mit der Nase an und begehrt die Freiheit, begrüsst mich kurz und realisiert dann "Huch! Hier war ich ja noch NIE! Das riecht aber komisch hier und wie das aussieht!" und verkrümelt sich sicherheitshalber in eine Höhle des Kratzbaumes. Sicher ist sicher. 


Das bis dato namenlose Katzenmädchen bringt sich durch einen Sprung wie ein geölter Plüschblitz unters Bett in Sicherheit...und Frau Schmitz steckt umgehend ihre süße Neugiernase ins Zimmer, schnüffelt misstrauisch - und verliest den beiden neuen Mitbewohnern erstmal leise brummend die Hausordnung, damit erst gar keine Missverständnisse aufkommen, wer hier die Chefin ist. Sehr schlau, sowas klärt man immer am besten sofort.

Als die leeren Transportkörbe wieder hinausgetragen werden und sich die Haustüre schließt, schmunzele ich in mich rein - jetzt bin ich also die schrullige Tussi ohne Kinder mit 3 Katzen.

Nun ja. Könnte schlimmer kommen.



Dienstag, 3. Dezember 2013

[love is all you need]

Man liest ja immer wieder, dass Tiere ganz besonders sensible Antennen für die Gefühle ihrer Menschen haben und sich oft zum Trösten ankuscheln, wenn sie spüren, dass der Vierbeiner ihres Herzens traurig ist. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, scheinen diese Antennen bei meinem plüschigen Dickerchen wohl nicht mitgeliefert worden zu sein.

Als ich dieser Tage mit rotgeweinten Augen vom abendlichen Krankenbesuch eines vierbeinigen Sorgenkinds der Katzenhilfe zurückkomme, springt mir mein liebes Miezekätzchen nämlich mitnichten fürsorglich an der Haustür entgegen, um mir die Augen mit einem Spitzentaschentuch trocken zu tupfen und mir einen heissen Kakao mit Sahne zu kredenzen. Vielmehr plärrt mir ein empörtes "Miau!" entgegen und ohne meine kummervolle Miene zu beachten, stapft Frau Schmitz umgehend in die Küche und setzt sich mit vorwurfsvollem Blick vor die leeren Näpfe.

"Wo warst du denn so lange, verflixt nochmal? Ich hab' Hunger, aber dalli jetzt!"

Maximalseufzend schaufele ich glibberige Fleischbrocken in die Futterschüssel und während sich der Schmitzster laut schmatzend über die dargebotene Köstlichkeit hermacht, drücke ich heimlich meine nassen Augen ins weiche Plüschfell der mampfenden Mieze. Sobald der letzte Happen im Kugelbäuchlein verschwunden, kuschelt mein Gesicht allerdings ins Leere, denn die ach-so-fürsorgliche Miezekatze pfeift auf mein trübsinniges Gemüt, marschiert umgehend zur Tür, scharrt mit den Pfötchen und verlangt nach Outdoor-Auslauf. Na, schönen Dank aber auch.

Um zumindest den Schein einer noch nicht ganz perfekt abgerichteten Katzen-Angestellten zu wahren, lasse ich Madame der Form halber ein wenig an der Türe zappeln und schmunzele über ihren Versuch, die Haustüre durch einen Röntgenblick einfach aufzustarren. Als dieses Unterfangen scheitert, dreht sie das Köpfchen und setzt ihre Starrerei in meine Richtung fort. "Jetzt guck' nicht so und mach' endlich die Haustür auf, was biste denn heute so begriffstutzig, Mensch?" Ich muss lachen und beuge mich dem vierbeinigen Druck. Der Schmitzster verschwindet unter leisem "Miau" mit aufgestelltem Antennen-Schwänzchen in der Dunkelheit. "Und Tschüss. Schöne Trostkatze bist du!"

Ich putze mir seufzend die Nase und beginne mit der Fütterung meines eigenen Raubtiermagens. Nach einer kleinen Weile höre ich im Flur das typische "Ich bin wieder daaaa!"-Maunzen meiner Mieze und schon saust die Plüschkugel ins Wohnzimmer, um sich nach kurzem pflichtschuldigen Um-die-Beine-Schwarwenzeln wichtigeren Aufgaben wie der Kontaktlinsen-Dosen-Treibjagd zu widmen.

Ich kichere, schniefe ein letztes Mal und stecke das Taschentuch weg.
Ach, mein lustiges süßes Katzenmädchen.
Du musst mich überhaupt nicht in den Arm nehmen und Taschentücher anreichen, um mich zu trösten. Ich bin erwachsen, das kann ich alles selbst. Es reicht, wenn du einfach da bist und ich dir beim Spielen oder Schlafen zugucken kann. Wenn Du hochkonzentriert dem gefährlichen Plüschbällchen auflauerst, springteufelmässig durch die Wohnung rennst, mich zwischendurch mit der Pfote anstupst weil du am Köpfchen gekrault werden willst. Wenn du heimlich auf der Küchenanrichte herumschleichst, nasse Pfötchenpfützen hinterlässt weil du durchs Spülwasser getapst bist und deine Neugiernase in alle Töpfe und Schüsseln steckst. Wenn du dich wie eine plüschige platte Flunder auf der Couch auf den Rücken kugelst und kurze Zeit später lauter schnarchst als mein Opa und der Hausherr zusammen. Wenn ich heimlich deine rosa Marzinpfötchen streicheln kann. Mehr musst du gar nicht tun. Du musst einfach nur Katze sein. Und schon ist die Welt ein klitzekleines bißchen weniger doof.

Montag, 21. Oktober 2013

[sport ist für die katz']

Das sich Frau Schmitz bei der frühmorgendlichen Leibesertüchtigung leise anschleicht und mir bei jeder Liegestütze zaghaft die Nase ableckt (vermutlich in der Hoffnung, ich könnte ein Leckerchen in einem der beiden Nasenflügel versteckt haben), wärmt zwar das Herz, stört aber die Körperspannung und somit die korrekte Ausführung der Übung durch unkontrollierbare Kicherattacken meinerseits enorm.

Ab morgen muss Frau Schmitz dann halt mitsporteln. Nützt ja nix.


Freitag, 11. Oktober 2013

[hair!]

Auch wenn mich meine getigerte Mitbewohnerin jeden Tags aufs Neue mit ihrer schrulligen Fröhlichkeit zum Lachen bringt und keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, sie bei uns einziehen zu lassen, so gibt es doch wie in jeder Beziehung ein paar Aspekte unseres Zusammenlebens, auf die ich durchaus verzichten könnte.

So ist zum Beispiel ein Katzenklo in Sachen Geruch und Handling nicht gerade ein steter Quell grenzenloser Freude, und auch die tägliche Raubtierfütterung mit totem Tier in Gelee ist für mich als Pflanzenfresser nur bedingt erquicklich. Was mich aber wirklich beinahe in den Wahnsinn treibt, ist diese unerschöpfliche Flut an Katzenhaaren, die seit dem Einzug von Frau Schmitz unseren Haushalt garniert. Das die hartnäckigen Flusen konsequent an unserer Kleidung als auch an der unserer Besucher kleben, ist ja dank Kleberolle noch recht leicht zu ertragen und von Schränken und Tischplatten lassen sich die Schmitzfussel noch relativ leicht entfernen - aber mittlerweile macht sich der Katzenhaarteppich unaufhaltsam auf Büropausenstullen, dem Inneren meines Autos und sogar auf dem Boden frischgespülter (!) Kaffeetassen breit. Ganz egal wo man hingreift oder -guckt, man wird schon von Schmitzhaaren begrüsst. "Hämisch begrüsst", wie ich finde.

Aber nun ja. Ich bin Ultraläuferin. Ich mag Herausforderungen. Und heute habe ich der Katzenhaar-Invasion den Kampf angesagt. Ich werde den Feudel nicht eher beiseite legen, bis nicht auch der allerletzte schmitz'sche Zottel aus seinem Versteck gelockt und in Putzwasser ertränkt ist. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Und so.

Qapla! *)

In den kommenden Stunden wische, wedele ich und schrubbe ich jeden Winkel unseres Heims, krieche bäuchlings in jede kleinste Ecke und lasse Mr. Dyson beinahe durchglühen. Ich jage Wollmäuse im Greisenalter aus ihren Bauten und wienere gnadenlos alles in Schutt und Asche, was nicht niet- und nagelfest ist. No rest for the wicked ones.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich schweissgebadet, putzwasserverschrumpelt und abgrundtief erschöpft - aber das Haus ist katzenhaarfrei. Heureka. Zutiefst befriedigt stehe ich am Fuße der Treppe und bewundere mich und mein Putzwerk, als sich Frau Schmitz mit leisem Tapsen nähert, guckt, gähnt und mit zartem Maunzen behende die Stufen hochsaust. Nachdem sie auf dem Treppenabsatz verschwunden, sehe ich im Gegenlicht ein zartes Büschelchen feinster Premiumkatzenunterwolle, das meinem entsetzten Auge unschuldig im Kippfenster-Windhauch entgegenschwebt.

Nein. 
Ich. 
Werde. 
Wahnsinnig.

So langsam beginne ich zu glauben, dass sich in jeder geschlossenen Psychatrie ein separater Raum befindet, in dem jene bedauernswerten Menschen landen, die "heute aber mal ganz bestimmt alle Katzenhaare aus dem Haus entfernen" wollten.

Und ich könnte schwören, mein getigertes Haarmonster sitzt auf dem Treppenansatz und lacht sich ins Pfötchen.




*) Erläuterung für Nicht-Trekkies: "Qapla" ist ein klingonischer Kampfgruß und bedeutet soviel wie "Erfolg!"...oder "Lass' krachen, Alter!"


Dienstag, 8. Oktober 2013

[erwischt!]

"Frau Schmitz, Du darfst nicht auf dem Herd rumlaufen, ist das klar?"
"Miau!"
"Auf gar keinen Fall, hast du das verstanden?"
"Miau!"


Oh, aber...na gut.
Mein Fehler.
Ich hab' den Zusatz "Und das gilt auch wenn ich nicht hingucke" vergessen.

Sonntag, 6. Oktober 2013

[das erste gebot]

"Du sollst keine anderen Götter neben mir haben."


Frau Schmitz, meine getigerte Mitbewohnerin, ist im allgemeinen von eher selbstständigem Naturell und keine dieser dauerschnurrenden Bilderbuch-Miezekatzen, die einem permanent am Wickel kleben und nach Streicheleinheiten verlangen. Sie lässt sich zwar mit maximalgroßem Vergnügen unter ihrem weichen Kinn kraulen und leckt mir als Dankeschön dafür mit Inbrunst die Hände ab, aber ansonsten treibt sie lieber Kontaktlinsen-Dosen in halsbrecherischer Hetzjagd durchs Haus, steckt ihre plüschige Neugiernase in Kochvorbereitungen und überwacht meine Schreibarbeiten am PC im Arbeitszimmer statt sich anschmiegsam und kuschelwillig unter irgendwelche Extremitäten zu quetschen.

Als ich jedoch von meinem Fototermin von der Katzenhilfe Neuwied zurückkehre, bei dem ich geschlagene zwei Stunden unzählige Samtpfoten gestreichelt, gekrault und abgelichtet habe, schiesst mir Frau Schmitz umgehend wie ein Katapult auf den Schoss, kugelt sich auf dem Rücken auf meinen Beinen hin und her, reibt ihr Köpfchen an jedem erreichbaren Zipfel meiner Bekleidung und verschluckt sich beinahe am eigenen Schnurren.

Zwar würde sich mein liebendes Herz nur allzu gerne der Vorstellung hingeben, diese akute Schmitzschmuseritis sei ein Ausdruck von unendlicher Zuneigung und überschäumender Wiedersehensfreude, aber realistisch betrachtet bedeutet es wohl eher sowas wie "Unerhört! Mein blondes Dosenaufmachdings riecht nach anderen Katzen! Sofort abrubbeln. Und mit 'nem ordentlichem Schuss "Eau de Schmitz" überpinseln. Das blonde Dings ist mir, mir, mir!"

Sobald ich bis in die hintersten Kniekehlen und Bauchfalten wieder als "Meins!" gekennzeichnet bin, springt Frau Schmitz mit einem befriedigten Gurren von meinem Schoss und stolziert in die Küche, um dort umgehend mit Nachdruck nach Abendbrot zu verlangen. 

Aber ja doch, sofort.
Ich eile.


[die schuldfrage]

Samstagmorgen, 08.00 Uhr.
Es regnet nicht nur Bindfäden sondern, um bei der Metapher zu bleiben, unterarmdicke Hanfkordeln. Dennoch bekundet Frau Schmitz durch eindringliches Maunzen und vehementem Hypnotisieren der Haustür, dass sie jetzt nun aber bitteschön sofort einen Reviercheck in den lokalen Vorgärten machen möchte. So-fort.

"Aber es schüttet wie aus Eimern. Du wirst in ein paar Sekunden pitschnass!" versuche ich einen Appell an die Miezen-Vernunft.
Keine Chance. 

"Miau!"
"Na gut, dann raus mit dir. Aber sag' nicht ich hätte dich nicht gewarnt."


Der getigerte Fellrücken verschwindet im Regen und ich verschwinde zurück ins warme trockene Wohnzimmer, um am Bollerofen meinen Morgenkaffee zu geniessen. Keine 2 Minuten später höre ich ein hektisches Tappen im Flur, eine pudelnasse Miezekatze entert die gute Stube und hinterlässt zahlreiche Pfötchenpfützen auf den Dielen.

"Miau!" 

Den schmitz'schen Gesichtsausdruck kann man nur als "extrem angepisst" bezeichnen und der zickig-anklagende Tonfall des lautstarken Maunzens gibt mir deutlich zu verstehen: "Jetzt guck' mich doch mal an! Ich bin KLATSCHNASS und DU bist schuld!"

Na klar. Wer auch sonst. Ist ja nicht so, dass ich es nicht vorher...aber egal. Ich bin schuld. 

In der nächsten Stunde straft mich Frau Schmitz mit Missachtung und beleidigter Arroganz. Erst als das Fell bis zum alleruntersten Härchen getrocknet ist, ich das empörte Gemüt mit diversen Leckerchen beruhigt und anhand einer Schautafel über die Entstehung von Regenwolken anschaulich erläutert habe, dass ich nun aber wirklich komplett unschuldig an der unangenehmen Wetterlage bin, lässt sich die Tigerdame huldvoll herab, sich von mir unter dem Kinn kraulen zu lassen und knabbert an meinen Zehen. Ein Katzenherz kann eben auch die schlimmsten Verfehlungen verzeihen.

Puh. Das war knapp.